Flugplatzfest am 04./05. August 2007

Bilder vom Flugplatzfest

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

Powered by Coppermine Photo Gallery and Reinhold Härtel

Im Folgenden finden Sie einige Zeitungsartikel die im Vorfeld zum Flugplatzfest veröffentlicht wurden.

Vor 50 Jahren

Mit Muskelkraft legen Motorflieger Landebahn und Hangar an

50 Jahre Flugplatz Loemühle: Am 3. Juli 1957 kam die Genehmigung
Marl. Gleich nach der Ernte im Herbst 1956 begannen auf dem Acker von Bauer Heinrich Korthaus die Bauarbeiten für Start- und Landebahn, den ersten Hangar und ein Clubgebäude mit Restaurant, Aussichtsplattform und Tower. Neun Monate später war der Flugplatz Loemühle betriebsbereit. Heute vor 50 Jahren, am Mittwoch, 3. Juli 1957, hoben erstmals Flugzeuge ab.
Zum 50-jährigen Bestehen tut Wolfgang Wacker, amtierender Vorsitzender des Motorfliegerclubs (MFC) Vest Recklinghausen, einen Blick in die Geschichte des Flugplatzes an der Stadtgrenze zwischen Marl und Recklinghausen, die untrennbar mit dem MFC verbunden ist:
Der im August 1955 in Marl-Polsum gegründete Motorfliegerclub Vest e.V. war schon länger auf der Suche nach einem eigenen Flugplatz, nachdem auf dem Flugplatz Borkenberge der Motorflug zu Gunsten der Segelflieger stark eingeschränkt worden war.
Ein ursprünglich ins Auge gefasstes Gelände zwischen dem Wesel-Datteln-Kanal und der Marler Straße , heute Teil des Gewerbegebietes gegenüber der Halde Hürfeld (auf der Grenze Marl/Dorsten) konnten die Motorflieger dann doch nicht anpachten.
Dem Bauern, dem das Gelände gehörte und dessen Hof in unmittelbarer Nachbarschaft lag, war zu Ohren gekommen, dass Piloten ein „loses Völkchen“ seien, das nach dem Fliegen gerne dem Alkohol zuspreche. Da er zwei Töchter im heiratsfähigen Alter hatte, lehnte er die Verpachtung an die Flieger ab.
Bernhard Klein, damals Schriftführer des MFC Vest e.V., konnte schließlich den Landwirt Heinrich Korthaus für die Idee gewinnen, dem MFC Vest e.V. einen Acker zum Anlegen eines Flugplatzes zu verpachten. Nachdem man auch mit dem Bauern Heinrich Wessels handelseinig geworden war, beantragte der MFC am 27.Oktober 1956 beim Ministerium für Wirtschaft und Verkehr des Landes NRW die „Zulassung des Geländes zur Errichtung eines Flugplatzes für die Motorsportfliegerei und Touristik“.
Das erforderliche Gutachten der „Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt e.V., Prüfstelle für Luftfahrzeuge, Bezirksstelle Nordrhein-Westfalen“ vom 30. Oktober 1956, kam zu dem Ergebnis: „Das Gelände ist für den Sportflugbetrieb gut geeignet.“
Die Bauarbeiten konnten starten. Das Marler Tiefbauunternehmen von Josef Jostmeier, selbst Mitglied des MFC Vest, sowie das Bauunternehmen Tillmann & Co. aus Recklinghausen, dessen Chef Erich Büchte ebenfalls Mitglied des Vereins war, stellten Gerät und Fachkräfte. Clubmitglieder leisteten nach Feierabend und am Wochenende Stunden um Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Für die bereits im Herbst 1955 angeschaffte erste Vereinsmaschine, eine Bücker 181, wurde der Hangar 1 errichtet. Im Sommer 1957 war auch eine 526 Meter lange und 65 Meter breite Start- und Landebahn fertiggestellt.
Mit Datum vom 1. Juli 1957 erteilte der Regierungspräsident Münster als zuständige Behörde dem Landeplatz Marl-Loemühle die Genehmigung für „Starts und Landungen von Motorflugzeugen bis zu einem höchstzulässigen Fluggewicht von 2 000 kg“. Noch am selben Tage wurde die Piste mit ersten Starts und Landungen eingeweiht. Am 27. Oktober wurde der Flugplatz Loemühle mit dem ersten Flugtag feierlich seiner Bestimmung übergeben.
Gefeiert wird das 50-jährige Bestehen des Flugplatzes am 4. und 5. August beim Panda Ferien Festival.


Das Flugplatzgebäude vor der Fertigstellung Foto: Hermann Pölking

Der „Rote Baron“ stürmt den Himmel

Lothar Steinbiss präsentiert mit der Antonow AN-2 einen Dinosaurier der Lüfte.

Mit ihrer Signalfarbe ist sie auf der Erde und am Himmel ein Blickfang. Ihrem Besitzer Lothar Steinbiss brachte die Antonow AN-2 schon bei der ersten Landung nach der Restaurierung den Titel „Der Rote Baron“ ein. Zum Panda Ferien-Festival kommt der flotte Flug-Oldtimer mit prominenten Passagieren an Bord.
Die Band „Texas Lightning“ lässt sich am 5. August zum Konzertauftritt auf den Flugplatz Loemühle „chauffieren“. Bevor allerdings die Musiker zusteigen, dürfen an beiden Veranstaltungstagen (4. und 5.8.) auch Flugplatzfestbesucher Platz nehmen.
Die Antonow, der ursprünglich in Russland konstruierte größte Doppeldecker der Welt, gilt als Dinosaurier unter den Fluggeräten. Lothar Steinbiss entdeckte seine Maschine nach der Wende in den Beständen der ehemaligen DDR. Vielseitigkeit und Genügsamkeit sind die Stärken des Flugzeugs. „Zum Starten oder Landen genügt ein Fußballfeld“, erklärt der Eigner. 85 Meter zum Abheben und 140 Meter Landebahn reichen der 1 000-PS-starken Propellermaschine aus. Jahrzehntelang diente die Antonow vor allem dem Zweck, Mensch und Material aus unwegsamem Gelände zu transportieren. Im „Roten Baron“ von Lothar Steinbiss können nach gründlichem, den Flugsicherheitsvorschriften entsprechenden Umbau bis zu acht Passagiere mitfliegen.
Das Fliegen im Allgemeinen und alte Flugzeuge im Besonderen sind die Leidenschaft des Lothar Steinbiss. Dabei haben viele versucht, ihn von seinen luftigen Ideen abzubringen.
Beim Modellbau entflammte seine Liebe zur Luftfahrt. Da war er zwölf Jahre alt. Bald drauf entdeckte der das Segelfliegen. Der Berufswunsch war klar: „Pilot!“, träumte der Sohn, „Kaufmann!“, beharrte der Vater und setzte sich durch. Aber nicht auf Dauer. Lothar absolvierte zwar die kaufmännische Lehre, aber den Pilotenschein machte er doch – und war bald so für den Luftsport entflammt, dass ihn die Abenteuerlust packte. Er verschrieb sich der Rennfliegerei. Jahrelang war er mit dem Rennzirkus in ganz Europa unterwegs.
Dann versuchte er es mit dem Ballonfahren. „Kein Motorgeräusch, keine Action“, da war der Sportpilot zunächst skeptisch. Inzwischen hat er auch den Spaß am „Fahren“ in luftiger Höhe entdeckt. Mit seinem Unternehmen „Air Albatros“ bietet er am Flughafen Essen/Mülheim neben Flügen mit der Antonow auch Ballonfahrten an.
Die Antonow ist übrigens nur eine von vielen historischen Maschinen auf dem vom Medienhaus Bauer präsentierten Panda Ferien-Festival. Zur Oldtimer-Show gehört das Fluggerät von Deutschlands berühmter Flieger-Amazone Elly Beinhorn aus dem Jahr 1940 ebenso wie eine mit Speichenrädern ausgestattete Konstruktion aus den Kindertagen der Fliegerei. Immerhin: Mit dem schlichten Luftgefährt gelang die Überquerung des Kanals von England nach Frankreich.


Wartet auf Sie für Rundflüge Antonow AN2

„Texas Lightning“ schlägt ein!

PANDA FERIEN-FESTIVAL am 4./5. August auf Loemühle / Flugshows, Live-Musik, Europas höchste Kletterwand
Marl. (Mö) Die Top-Band kommt wie ein Blitz vom Himmel. „Texas Lightning“ landen mit dem Antonov-Doppeldecker beim PANDA FERIEN-FESTIVAL des Medienhauses Bauer auf dem Flugplatz Loemühle. Das Country-Quintett mit Comedy-Star Olli Dittrich am Schlagzeug und Frontfrau Jane Cromerford ist das musikalische Glanzlicht im zweitägigen Programm.
Der Panda geht Fliegen. Zum 50-jährigen Bestehen des Flugplatzes Loemühle lädt das Medienhaus Bauer am Samstag, 4., und Sonntag, 5. August, zum Familienfest auf dem Flugplatzgelände ein. Das PANDA FERIEN-FESTIVAL lockt mit tollen Flugdarbietungen, spannenden Aktionen zum Zuschauen und Mitmachen, viel Musik, Talkrunden und einem prallen Angebot für den Nachwuchs.
Wer bis jetzt noch dachte, die Fliegerei sei etwas für wenige Auserwählte, wird am letzten Ferienwochenende erleben, wie groß die Freiheit über den Wolken für jedermann sein kann. Rundflüge mit dem historischen Doppeldecker Antonov oder per Hubschrauber, sowie Schnupper-Flüge mit den Kunstfliegern stehen zum Beispiel am Samstag auf dem Programm. Ganz Mutige können einen Tandemsprung mit dem Fallschirm riskieren. Im Überschlagsimulator dürfen Besucher ausprobieren, wie schwindelfrei sie sind.
Geschicklichkeit und Mut sind bei den Attraktionen „Moving Wall“, der größten mobilen Kletterwand der Welt, und beim „Xtreme Quadro Bungee“ gefragt. Beim technischen Hilfswerk lockt eine flotte Partie auf der Seilrutschbahn.
Einen spektakulären Auftritt haben die Formel-Eins-Fahrzeuge von „Radical Race“. Dazu gibt es Ausstellungen mit Flugzeugen, den beliebten Ultra-Leicht-Fliegern und Modellbauern. Auch Drachenflieger sind mit von der Partie. Im Panda-Park finden Kinder alles, was Spaß macht, hier dürfen sie sich sogar als Sumo-Ringer versuchen. Zum Abschluss gibt es am Samstag ein großes Feuerwerk.
Am Sonntag setzen „Texas Lightning“ dem bunten Spektakel musikalisch die Krone auf. Spätestens seit ihrem Hit „No No Ever“, der sie an die Spitze der Charts brachte, ist die Band ein Publikumsmagnet. Getreu dem Motto „In jedem Klassiker steckt ein Country-Song“ präsentieren Olli „Ringofire“ Dittrich und seine Mitstreiter beim PANDA FERIEN-FESTIVAL selbst Beatles-Klassiker im Country-Style. Sven West, der im vergangenen Jahr die Roadshow zum 175-jährigen Bestehen unseres Zeitungshauses musikalisch mitgestaltete, ist beim Familienfest wieder zu Gast. Begleitet wird das Programm mit Talkrunden auf der Bühne. Bernd Overwien, stellvertretender Chefredakteur des Medienhauses Bauer, und Julia Winterfeld von Hit Radio Vest sind die Moderatoren.


Texas Lightning

Die „Kubanische Acht“ am Himmel über Marl

Als fliegender Zahnarzt war Dr. Anton Benning ein Luftfahrt-Pionier
Von Martina Möller
Marl. Tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten, da kann Dr. Anton Benning nur den Kopf schütteln. Disziplin, Konzentration und Präzision, das sind die Tugenden, die einen echten Kunstflieger ausmachen.
Trudeln, Rückenflug, Rolle, Looping oder „Kubanische Acht“ (Looping-Acht), das alles will gelernt sein, erfordert Geschick beim Fliegen, viel Training, einen hellwachen Geist und körperliche Fitness. Wenn die Welt rund um das kleine Motorflugzeug Kopf steht und in rasanten Kapriolen zu wirbeln scheint, muss der Mensch am Steuerknüppel einen stabilen Kreislauf haben.
Anton Benning weiß, wovon er spricht. Als „fliegender Zahnarzt“ schrieb der heute 89-Jährige maßgeblich an den Anfängen der Motorfluggeschichte in Marl mit. Den Pilotenschein machte er schon vor dem Krieg. Als gerade 19-Jähriger wurde der 1918 geborene Marler für den Kriegseinsatz ausgebildet. Die Liebe zur Fliegerei hält trotzdem bis heute.
Zu Beginn der 50er Jahre hob Benning als einer der Gründer den Vestischen Motorfliegerclub aus der Taufe und war über viele Jahre dessen Vorsitzender. Als Kunstflieger sorgte der in Pilotenkreisen nur „Toni“ genannte praktizierende Zahnarzt Anton Hermann Benning für Schlagzeilen. Bei großen Wettbewerben wie den Deutschen Kunstflugmeisterschaften 1963 war sein fachliches Urteil als „amtlicher Luft-Sachverständiger der Regierung“ gefragt. Fluglehrer Benning weihte ungezählte Anfänger in die Geheimnisse der Motorfliegerei ein.
Am Anfang waren die Motorflugpiloten nur ein kleiner Haufen, der auf dem Flugplatz Borkenberge von der größer werdenden Schar der Segelflieger zusehends an die Seite gedrängt wurde. Endlich fand sich in Marl ein geeignetes Areal, man wurde sich mit den Landwirten einig, denen die Äcker gehörten, und begann mit den Bauarbeiten am Flugplatz. „Wir haben wirklich geschuftet“, erinnert sich Benning. Nach neun Monaten war die Graspiste fertig. Der Vestische Motorfliegerclub wurde Flugplatzbetreiber.
Die erste vereinseigene Maschine, eine Bücker 181, holte Toni Benning selbst in Hamburg ab. Mit 18 000 Mark in der Tasche setzte er sich in Marl in den Zug, um die gut erhaltene Gebrauchte zu erwerben und sie nach Hause zu fliegen. Ein bisschen mulmig war ihm damals schon, als er mit so viel Geld im Gepäck auf die Reise ging, erzählt er. Die Bücker stand fortan allen Vereinsmitgliedern zur Verfügung – und dem Fluglehrer für den Unterricht. Anton Benning frönte seiner Leidenschaft für die Fliegerei, wann immer es Beruf und Familie zuließen. Mittwochs Nachmittags und an den Wochenenden war der begeisterte Pilot meistens am Platz oder in der Luft zu finden.
Er erinnert sich an Anekdoten, an prominente Gäste wie Franz-Josef Strauß oder Schauspieler Rene Deltgen, an skeptische Bürger und an flugfreudige Lokalpolitiker. Heinrich Auge zum Beispiel, der Recklinghäuser Bürgermeister, konnte gar nicht genug kriegen von der Luftfahrt. „Der war wirklich ganz verrückt drauf“, erzählt Benning. Auch Marls Stadtspitze einschließlich Bürgermeister Guido Heiland ging gern mit an Bord.
Die ersten Bestrebungen, den Flugplatz auszubauen, gab es schon wenige Jahre nach der Eröffnung. Schon 1961 holte die Stadt Recklinghausen ein Gutachten über die Voraussetzungen und Möglichkeiten eines erweiterten Flugverkehrs auf Loemühle ein. Verkehrsminister Walter Kienbaum bescheinigte dem Standort Marl Zukunftsfähigkeit. Pünktlich zu den Landesmeisterschaften der Sportflieger 1965 war die Landebahnverlängerung von ursprünglich 540 auf 720 Meter fertig. Der Flughafen wuchs, die Aufgaben und die finanziellen Ausgaben auch. Der Club stieß an seine Grenzen. Am 20. März 1968 gründeten die Städte Marl und RE als Gesellschafter mit dem MFC Vest die Verkehrslandeplatz Loemühle GmbH. Seit 2006 führt wieder eine private Betreibergesellschaft Regie.
Für Anton Benning endete die Fliegerkarriere unfreiwillig. 1979 zwang ihn eine schwere Erkrankung und die anschließende Herzoperation zum Aufgeben. Immerhin traten seine Söhne in seine Fußstapfen, Ulrich Benning ist hauptberuflich Lufthansa-Pilot und in der Freizeit engagierter Kunstflieger. Sohn Peter übernahm die Zahnarztpraxis und ist leidenschaftlicher Freizeit-Pilot.




Druckbare Version